Frühjahrskraftspeise

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Wenn der Osterhase sich wieder zeigt, dann ist die Hochsaison der Eierspeisen da. Man ißt in dieser Zeit oft mehr Eier als im ganzen übrigen Jahre zusammengenommen. Und mit Recht, denn jetzt sind sie am frischesten und wohlschmeckendsten, namentlich wenn ihre gefiederten Erzeuger daheim nicht im engen Hühnerhof eingesperrt sind, sondern "freien Lauf" haben.

Man muß aber wohl beachten, daß hartgekochte Eier schwer verdaulich sind; Kinder sollen also nur weiche Eier essen. Je nach dem Zustande der Gerinnung, in dem sich das Eiweiß befindet, sind Eier bald so leicht verdaulich, daß sie für jeden Magenkranken passen, bald so schwer, daß sie auch einem gesunden Magen zu schaffen machen, da der Magensaft nur schwer in die Klumpen der harten Eier eindringen kann.

Bisweilen beobachtet man bei Kindern einen gewissen Widerwillen gegen Eier. Meist richtet sich dieser aber nur gegen das Eiweiß, während der Dotter gern genommen wird. Das ist für die Ernährung der kleinen Kinder sehr gut, denn gerade das Eigelb enthält zwei wichtige Stoffe: Eisen und Lezithin, die zur Bildung von gesundem Blut, Gehirn, Nerven und Knochen unentbehrlich sind. An Eisen enthält das Eiweiß 0,57 Prozent, das Eigelb 1,65 Prozent, also dreimal soviel. Bedenkt man weiter, daß sich im Spinat 3,85 Prozent Eisen befinden, so muß man als eisenreichste Speise Spinat mit Eigelb bezeichnen. Sie ist zum Beispiel beinahe zehnmal so reich an Eisen wie Kuhmilch. Daher sollen Blutarme, Bleichsüchtige, Kinder, Schwächliche, Rekonvaleszenten recht viel solche Naturspeisepillen, Spinat mit Eigelb, genießen.

Inhaltsverzeichnis

Körperaufbau

Bei kleinen Kindern ist für die Bildung und Kräftigung von Gehirn und Nerven besonders wichtig der Lezithingehalt des Dotters. Aus dem Dotter bildet sich der ganze Vogelembryo, also enthält Eigelb alle zum Körperaufbau nötigen Stoffe. Professor Zuntz hat viele Versuche mit Dotternahrung bei Kindern gemacht. Er kommt zu dem Schlusse: "Jungen Kindern wird schon vom fünften bis sechsten Monat Eigelb als Beikost mit Vorteil gegeben, und auch in späteren Wachstumsperioden wird man kaum auf Beigabe von Eigelb zur täglichen Kost verzichten. Aber selbst bei Kranken und Schwachen, deren Ernährungszustand gehoben werden soll, bei Blutarmen und Rekonvaleszenten ist Zusatz von Eigelb zu den Speisen ebenso nützlich wie nötig. Nach vielfältiger Erfahrung wird es besonders in weichgekochtem Zustande, gut durchgekaut, auch von schwachen und angegriffenem Magen sehr gut vertragen."

Appetetitanreizend

Hierzu kommt, daß man den rohen Dotter mit den verschiedensten Zusätzen zu appetitlichen und appetitanreizenden Mischungen verrühren kann, zum Beispiel mit Zucker, Wein, Bier, Kognak, Milch, Kakao, Bouillion, Suppen. Als Beigabe zu Wein, Bier und Kognak ist der Dotter mit Zucker zu schlagen, worauf man das Getränk darunterrührt.

Kraftmittel für Geistesarbeiter

Solche anregenden und sehr nahrhaften Genußmittel sind besonders für Geistesarbeiter vorteilhaft, deren Nahrung zugleich leicht verdaulich sein muß. Wer nach dem Abendessen noch lägere Zeit geistig arbeitet, sollte vor dem Zubettgehen zwei mit Zucker und Kognak oder Rum geschlagene Eier genießen. Das ist der geeignetste Kraftersatz für des Gehirnes Kraftverbrauch. Solche Schlageier dürfen aber nicht getrunken werden, sondern sind löffelweise zu nehmen oder in ganz kleinen Schlücken.

Schöne Stimme

Auch bei Katarrhen der oberen Atmungswege, namentlich bei der davon herrührenden Heiserkeit, sind rohe Eier die richtige Diät und ein gutes Heilmittel. Dieser wohltätige Einfluß aud das Stimmorgan vernanlaßt viele Sänger, kurz vor der Vorstellung noch ein rohes Ei zu schlucken, "damit sie besser hinaufkommen". Besonders zuträglich ist bei Halsaffetktionen das warme Eierbier, das aus Eigelb und gekochtem Bier bereitet wird.

Für Kinder

Bei Kinderhusten empfiehlt sich folgendes Rezept:
Man verklopft in einer Tasse einen Eidotter mit zwei Eßlöffel Zucker und rührt zwei Eßlöffel feinstes Olivenöl dazu. Sobald ein Hustenanfall sich bemerkbar macht, gibt man dem Kinde hierauf einen Kaffeelöffel voll.

Da schwächliche Kinder, die man mit Eiern "aufzupäppeln" gedenkt, leicht einen Widerwillen dagegen bekommen, so sei hier noch auf ein Getränk aufmerksam gemacht, das sie immer wieder gern nehmen: Fruchtsaft, dem ein mit Zucker schaumig gequirltes Ei beigefügt wird. Es ist dies für Kinder zuträglicher als Rotwein mit Ei.

Mannigfach ist also die Verwendung der Eier und stets höchst vorteilhaft für Gesundheit und Ernährung. Mögen daher alle mit dieser Frühjahrskraftspeise sich reichlich laben und kräftigen!



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