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Gute Verdauung |
Aus Naturheilkraut.com
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Wei oft hören wir darüber sprechen, ob Pflanzenkost oder Fleischkost vorzuziehen sei. Mit dieser Frage aber sind eine ganze Reihe anderer Fragen verknüpft, von denen jede für sich größeres Intersse beansprucht als gerade diese. Was sind das für Fragen? Wenn wir über diese Frage der richtigen Ernährung schlüssig werden wollen, müssen wir dabei folgende Faktoren berücksichtigen. Zunächst, und das ist das allerwichtigste, die Verhältnisse, unter denen wir dem Körper Nahrung zuführen; zweitens der Zustand, in dem sich der Magen und die Därme befinden, denen die Nahrung zugeführt wird; in dritter Linie erst die Art der Nahrung selbst. Es mag auffallend erscheinen, daß die Verhältnisse, unter denen man Nahrung einnimmt, wichtiger sein sollen als die Art der Nahrung selbst. Daß dem aber so ist, wird durch vielsache Ursache bewiesen. Eine Mahlzeit, die man zu sich nimmt, wenn man sehr ermüdet oder sehr aufgeregt oder sehr ärgelich ist, kann ebensowenig verdaut werden wie eine, die in zu großer Hast gegessen wird. Ebenso ist die Angewohnheit, unmittelbar nach dem Essen wieder zu arbeiten, überaus schädlich. Darunter muß zweierlei leiden: die Arbeit und die Verdauung. Und dabei ist es ganz gleich, ob es sich um geistige oder körperliche Arbeit handelt. Wo gearbeitet wird, gleichviel ob im Gehirn oder im Magen, oder mit den Armen und Beinen, muß Blut vorhanden sein, und das Blut kann nicht zu gleicher Zeit im Magen und in den Muskeln sein. Ein plötzlicher heftiger Schreck während des Essens erregt oft Ekel oder Erbrechen. Manche Leute können sogar nicht einmal das Essen verdauen, das sie in einem lebhaften Restaurant zu sich genommen haben. Es ließe sich noch vieles andere anführen, das beweisen würde, daß der Magen ein sehr empfindliches Organ ist, das unverzüglich auf die geringste Veränderung des Befindens und der Stimmung antwortet. Von den vielerlei Umständen, die einer guten Verdauung nachteilig sind, ist aber der allerschädlichste das Studium einer höchst wichtigen Person, des eigenen Ichs, und diätetische Experimente, die man an derselben so schwer leidenden Person vornimmt. Die hartnäckigen Fälle von Magenverstimmung, gegen die keine Behandlung einschlagen will, werden nicht etwa durch schlechtes Essen oder durch zu reichliche oder durch zu knappe Nahrung veranlaßt, sondern durch übel angebrachte Bestrebungen des Patienten, die Nahrungsfrage durch Versuche an seinem eigenen Körper zu lösen. Wer viel an seine Verdauung denkt, wird bald an Verdauungsstörungen leiden. Hastiges Essen ist auch eine Angewohnheit, die schon viel Unheil angerichtet hat. Beim raschen Essen wird nicht nur die Nahrung ungenügend gekaut und zuwenig mit Speichel durchfeuchtet, sondern es wird sicherlich auch zuviel gegessen. Bei raschem Essen hat man auch häufig ein Gefühl, daß man zu großer Eile angetrieben wird, oder man befindet sich in großer Angst oder Aufregung. Alles das ist von schädlicher Wirkung. Auch Essen bei zu großer Ermüdung oder unmittelbar nach starker körperlicher Anstrengung sollte vermieden werden. Die Verdauung ist auch eine Arbeit, und in ermüdetem Zustande können die Verdauungsorgane ihren Dienst nicht verrichten. Verdauungsstörungen, ernstliche Krankheit, ja sogar der Tod können daraus entstehen. Das Trinken während des Essens wird vielfach für schädlich gehalten; unsere physiologischen Erfahrungen sprechen indessen nicht dagegen, daß ein mäßiger Genuß von Flüssigkeiten beim Essen schädlich sein soll. Freilich darf die Flüssigkeit nicht dazu dienen, die nur halbgekaute Nahrung hinunterzuspülen. Viele Leute wollen nicht einsehen, daß Flüssigkeiten nur dann getrunken werden dürfen, wenn der Mund leer ist. Wenn man rasch ißt, den Mund voll Essen nimmt, dazu einen tüchtigen Schluck Bier, Kaffee oder Wasser trinkt, wie kann man dann verlangen, daß der Magen die großen harten Klumpen von Essen in blutbildenden Stoff verwandeln soll! Zur Regel sollte man es sich machen, beim Essen nur wenig und nur bei leerem Munde zu trinken. Jetzt von einem anderen Faktor der Diät: der Beschaffenheit der Verdauungsorgane. Mag das Befinden noch so gut sein, mag das Essen noch so vollkommen sein, wenn Magen und Eingeweide nicht in Ordnung sind, wird das Essen nicht richtig verdaut. Anderseits aber sind gewöhnlich Magenverstimmungen und Darmerkrankungen die unmittelbare Folge unrichtiger Angewohnheiten beim Essen, und um diese Organe wiederherzustellen, braucht man nur sich daran zu gewöhnen, dem Körper die Nahrung unter normalen Bedingungen zuzuführen. Gute Nahrung und gute Gedanken machen einen guten Magen. Verdauungsstörungen gibt es der mannigfaltigsten Art. Manchmal verursachen sie nur wenig Unbehagen und werden wenig beachtet, manchmal aber auch sind sie ernster Natur und recht schmerzhaft. Es kommt vor, daß der Magen so empfindlich wird, daß er nicht einmal Wasser, geschweige denn Essen behalten kann. Magenerkrankungen äußern sich von gelegentlichem Kopfweh oder leichten Schwindelanfällen bis zu plötzlichem Tode. Oft wird die Verstimmung des Magens gar nicht bemerkt, jahrelang bleibt sie unbeachtet, bis sie sich endlich als schwere Erkrankung fühlbar macht. Die Erkrankungen des Magens sind so verschiedenartiger Natur, daß sich Regeln über ihre Behandlung nicht geben lassen, man kann nur sagen, daß richtige diätetische Gewohnheiten die besten Bedingungen schaffen, sich gesunde Verdauungsorgane zu erziehen und zu erhalten. Alles, was wir von praktischer Diät wissen, läßt sich in zwei Worten ausdrücken, die sich jeder stets mit goldenen Buchstaben vor Augenhalten soll: Mäßigkeit und Einfachheit. Wer mäßig und einfach lebt, der lebt würdig, zufrieden und lange. |

