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Ein böhmischer Edelmann, Sasek von Mezyhor, hatte mit seinem Gefährten im Jahre 1466 Gelegenheit, in der kastilianischen Stadt Olmedo der Hinrichtung eines Granden beizuwohnen, der wegen Teilnahme an einer Verschwörung gegen König Heinrich von Kastilien zum Tode veruteilt war. Sasek schildert diese Hinrichtung in seinem Reisetagebuche.
Der verurteilte Hochverräter wurde in einem reichen, goldgestickten Purpurgewande auf einen freien Platz geführt, auf dem sich bereits eine ansehnliche Volksmenge versammelt hatte, und dort an einen Pfahl gebunden. Ihm gegenüber postierten sich zahlreiche Männer, Jäger und Bogenschützen, die nun mit Pfeilen nach dem Verurteilten zu schießen begannen. Ihr Ziel waren zunächst nur die Körperteile des Opfers, deren Verwundung nicht gleich töten konnte, also hauptsächlich Arme und Beine. Jeder Fehlschuß mußte mit zwanzig Realen gebüßt werden, wogegen jeder geschickte Treffer einen Preis von zwanzig Realen abwarf.
Als der diese grausame Hinrichtung befehligende Richter es für angebracht hielt, trat der geschickteste Schütze vor und tötete mit einem Herzschuß das entsetzlich leidende Opfer.
Der über eine solche Art der Hinrichtung sehr verwunderte Böhme wurde belehrt, daß diese Art der Todesstrafe allgemein üblich sei, daß die Teilnahme an der Vollstreckung des Urteils nicht nur niemand zur Schande, sondern den Gewinnern der Preise sogar zur hohen Ehre gereiche.
Und dann kam das Wunderlichste der ganzen widerwärtigen Szene: im Angesicht der noch an die Säule gefesselten Leiche setzte man sich an rohgezimmerten Tischen nieder, Musikanten begannen aufzuspielen, und die vergnügten Schützen vertranken gemeinschaftlich die zahlreich eingegangenen Strafgelder.
Siehe auch
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